NACHTRAG AN MEINE STUDENTEN

 

Meine Krebsforschungsbemühungen habe ich nach der schweren Erkrankung meines Bruders im Jahr 1984 begonnen. Damals waren wir alle erschüttert. Ich habe viel für meinen Bruder gebetet. Doch unser christlicher Glaube gebietet uns, neben dem Gebet alle unsere Fähigkeiten energisch einzusetzen.

Ich bin in die Uni-Bibliothek nach Tübingen gefahren und habe begonnen (recht verzagt) den Aufbau und die Funktion gesunder und maligner Zellen zu studieren. Die komplexe und in den Ingenieurwissenschaften völlig unbekannte Lipid-Doppelschicht von Zellmembranen hat meinen Forschungsbemühungen einen ersten Schlag versetzt. Doch ich habe nicht locker gelassen. Nächtelang habe ich am Rechner verbracht und mit Programmen der Ingenieursimulation das statische und dynamische Verhalten von Zellen und Zellstrukturen analysiert. Nach vielen Monaten habe ich theoretische Anregungen gefunden die Krebszellen in heftige Schwingungen versetzen und zerstören. Gesunde, nicht entartete Zellen überleben die Anregungen ohne Schaden. Erste Versuche mit lebenden Tumorzellen haben die theoretischen Analysen bestätigt. Danach durften Studenten des 7. Semesters im Rahmen meiner Vorlesung „Simulationstechnik“ auch das Thema „das Schwingungsverhalten maligner und gesunder Zellen“ wählen. Die überwiegende Mehrheit der Studenten hatte sich immer für das Krebsforschungsthema entschieden. Obwohl die anderen Themen „Auslegung und Konstruktion einer schwimmenden Plattform für die Produktion von Wasserstoff“, Auslegung und Konstruktion eines 200 t Transportluftschiffes“, Auslegung und Konstruktion eines 1000m hohen Aufwindkraftwerkes“ auch recht interessant waren.

Unsere Studenten haben mit viel Eifer und Motivation die erforderlichen Geräte für unsere Versuche bei befreundeten Laboratorien ausgeliehen oder „organisiert“. Die lebenden Tumorzellen wurden per Motorrad-Express aus Stuttgart abgeholt. Man hatte uns im Biozentrum der Uni-Hohenheim versichert, dass die Zellen keinen Schaden anrichten können. Trotzdem habe ich die Studenten vor Beginn der Versuche rausgeschickt und die Versuche mit Mundschutz und Handschuhen selbst durchgeführt. Ein Student des Sommersemesters 1996 hat sich einfach nicht rauschicken lassen und ist standhaft, ausgestattet mit Mundschutz und Handschuhen neben mir geblieben.

Als unsere Studenten mit der ablehnenden Haltung der Gutachter bei der Bewilligung von Krebsforschungsmitteln konfrontiert wurden haben Sie kurzerhand einen Vereich zu Förderung innovativer Methoden der Krebsbehandlung e.V. gegründet, beim Finanzamt Esslingen durchgeboxt und Forschungsspenden bei Firmen, Banken und eigenen Familienmitgliedern eingesammelt. Ein Semester hat sogar aus der eigenen Semesterkasse DM1500,- gespendet. Damit bin ich wahrscheinlich der einzige deutsche Professor dessen Forschungsbemühungen von den eigenen Studenten finanziert werden.

In der Zwischenzeit wurden meine Forschungsarbeiten im Rahmen eines Habilitationsverfahrens an der TU-Dresden eingehend geprüft. Meine Habilitationsschrift hat das interdisziplinären Thema „selektive, schwingungsinduzierte Zerstörung maligner Tumorzellen“. Das Habilitationsverfahren wurde im Jahr 2001 erfolgreich abgeschlossen. Mir wurde die universitäre Lehrbefugnis für das Fach „Modellierung und Simulation in der BM-Technik erteilt. Anscheinend bin ich der erste FHTE-Professor dem die höchste Qualifikation im deutschen Hochschulwesen erteilt wurde. Nach anfänglichem Zögern werden wir nun auch von unserem Ministerium unterstützt. Doch besonders froh bin ich über unsere neu konstituierte FHTE-Promotionsgruppe. Unsere Ingenieurabsolventen haben sich mit viele Eifer und Motivation in die Grenzgebiete zwischen Ingenieurwissenschaften und Onkologie eingearbeitet und stehen mir tatkräftig zur Seite.

Mein Bruder lebt und erfreut sich heute bester Gesundheit. Darüber bin ich sehr dankbar. Wir wollen Gott die Ehre geben.

 

Esslingen, im März 2003